Ästhetische Fettabsaugung oder Lipödem-OP – kennst du den Unterschied?
Auf den ersten Blick sehen beide Eingriffe gleich aus: Es wird Fett abgesaugt. Doch das eigentliche Ziel der Operation könnte unterschiedlicher kaum sein.
Die ästhetische Liposuktion
Bei einer plastisch-ästhetischen Liposuktion steht die Körperform im Mittelpunkt.
Es geht darum, Proportionen zu harmonisieren, Konturen zu verbessern oder Bereiche wie die Reiterhosen, die Innen- oder Außenseiten der Oberschenkel gezielt zu modellieren.
Das Ziel lautet: eine möglichst ästhetische Silhouette.
Die Lipödem-Operation
Bei einer Lipödem-Operation steht nicht die perfekte Beinform im Vordergrund.
Hier geht es darum, möglichst alles vom krankhaften veränderten Fettgewebes in den betroffenen Arealen zu entfernen, um die Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen.
Deshalb wird radikaler und zirkulär, also rund um die betroffene Extremität, abgesaugt. Die Priorität liegt auf einer möglichst vollständigen Behandlung der erkrankten Regionen – nicht auf der Modellierung einzelner Problemzonen.
Das Ziel lautet:
✔ Schmerzen reduzieren.
✔ Druckempfindlichkeit verringern.
✔ Die Beweglichkeit und Lebensqualität verbessern.
✔ Das Fortschreiten des Lipödems zu stoppen.
Warum das wichtig ist
Wer an einem Lipödem leidet und sich ausschließlich einer ästhetischen Fettabsaugung unterzieht, erhält möglicherweise zwar eine schönere Kontur. Das krankhaft veränderte Fettgewebe wird dabei jedoch nicht zwangsläufig in dem Umfang behandelt, wie es bei einer speziell auf das Lipödem ausgerichteten Operation angestrebt wird. Langfristig wird es kein schönes Ergebnis bleiben, weil das Lipödem Weiterwachsen wird. Auch die Schmerzen werden durch ein Conturing nicht nachhaltig entfernt. In den meisten Fällen ist im Anschluss eine Lipödem-Operation nötig.
Deshalb sollte bei einer bestehenden Lipödem-Erkrankung nicht nur gefragt werden:
"Wie werden meine Beine aussehen?"
Sondern vor allem:
"Ist die Operation darauf ausgerichtet, meine Erkrankung bestmöglich zu behandeln?"
Denn eine Lipödem-Operation verfolgt in erster Linie ein medizinisches Ziel: Schmerzen lindern, Funktion erhalten und Lebensqualität zurückgeben. Die Ästhetik ist dabei wichtig – aber nicht das oberste Behandlungsziel.
Natürlich sehen die Beine nach einer erfolgreichen Lipödem-OP in der Regel auch deutlich besser aus, da krankhaft verändertes Fettgewebe entfernt wird und viel Volumen verschwindet. Der ästhetische Effekt ist jedoch die Folge einer medizinisch sinnvollen Behandlung – nicht ihr eigentlicher Zweck.


