Lipödem & Verhütung

Worauf Patientinnen achten sollten

Das Lipödem ist eine chronische, hormonabhängige Fettverteilungsstörung, die nahezu ausschließlich Frauen betrifft. Viele Patientinnen berichten, dass sich ihre Beschwerden in hormonellen Umstellungsphasen – etwa in der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren – verändern oder verstärken.


Vor diesem Hintergrund stellt sich häufig die Frage: Welche Verhütungsmethode ist bei Lipödem sinnvoll?



Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Dennoch gibt es wichtige medizinische Aspekte, die bei der Wahl der Verhütung berücksichtigt werden sollten.

Warum Hormone beim Lipödem eine Rolle spielen

Das Lipödem wird stark durch hormonelle Faktoren beeinflusst. Insbesondere Östrogene stehen im Verdacht, das krankhafte Fettwachstum und Wassereinlagerungen zu begünstigen. Viele Patientinnen berichten unter östrogenhaltigen Präparaten über:

  • verstärkte Spannungsgefühle
  • zunehmende Ödeme
  • Gewichtszunahme
  • veränderte Schmerzintensität



Zudem ist bei Lipödem-Patientinnen das Thema Thromboserisiko besonders relevant, insbesondere wenn zusätzliche Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel oder genetische Prädispositionen vorliegen.

Daher sollte die Wahl der Verhütungsmethode individuell und sorgfältig erfolgen.

Überblick über gängige Verhütungsmethoden bei Lipödem

1. Kombinationspille (Östrogen + Gestagen)

Die klassische Antibabypille enthält Östrogen.

Mögliche Aspekte bei Lipödem:

  • Kann Wassereinlagerungen verstärken
  • Kann Beschwerden subjektiv beeinflussen
  • Erhöht das Thromboserisiko

Aus diesen Gründen wird bei Lipödem häufig geprüft, ob es geeignetere Alternativen gibt.

2. Gestagen-only-Präparate (Minipille, Hormonspirale, Implantat)

Diese Methoden enthalten kein Östrogen.

Vorteile:

  • Kein zusätzlicher Östrogeneinfluss
  • In vielen Fällen bessere Verträglichkeit
  • Teilweise geringeres Thromboserisiko im Vergleich zur Kombinationspille

Dennoch gilt: Auch Gestagene wirken hormonell, und die individuelle Reaktion kann variieren.

3. Hormonfreie Methoden

Kupferspirale

  • Sehr hohe Sicherheit
  • Kein Eingriff in den Hormonhaushalt
  • Kann stärkere oder schmerzhaftere Blutungen verursachen


Kondome

  • Hormonfrei
  • Einziger Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen
  • Sicherheit stark abhängig von korrekter Anwendung

Hormonfreie Methoden sind für viele Lipödem-Patientinnen eine attraktive Option, insbesondere wenn hormonelle Schwankungen als belastend empfunden werden.

Welche Verhütung ist „die beste“?

Die optimale Verhütungsmethode hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Stadium des Lipödems
  • Individuelle Beschwerdesymptomatik
  • Thromboserisiko
  • Alter und Familienplanung
  • Persönliche Präferenzen
  • Vorerkrankungen

Es gibt keine universell „richtige“ Lösung. Wichtig ist eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung.

Fazit


Lipödem und Verhütung stehen in einem sensiblen hormonellen Zusammenhang. Besonders östrogenhaltige Präparate sollten sorgfältig geprüft werden. Hormonfreie oder östrogenfreie Alternativen können für viele Patientinnen sinnvoll sein – müssen aber individuell bewertet werden.

Eine bewusste, informierte Entscheidung ist der wichtigste Schritt.

Wenn Sie unsicher sind oder Veränderungen unter Ihrer aktuellen Verhütung bemerken, sprechen Sie Ihren Gynäkologen an.